Archiv des CCM

Laudatio zu Ehren "65 Jahre CCM"

von Samira Fritz anläßlich der Prunksitzungen zu "65 Jahre CCM" am 29.11.2025 in der TEWA

Guten Abend in die närrische Runde!

Laudation von Samira FritzHeute obliegt mir die Ehre, die Laudatio zu halten. Zugegeben - damit hätte ich viel später
gerechnet. Irgendwie habe ich ja schon immer gewusst, dass ich um diese Aufgabe einmal nicht
herumkommen würde, schließlich gibt es in meiner Familie einige Vorbilder, deren Reden vielen
Zuhörern im Gedächtnis geblieben sind. Den Zeitpunkt stellte ich mir in meiner karnevalistischen
Karriere allerdings deutlich später vor.
Aber einige CCMler unter euch wissen: Es ist nicht so einfach, den Programmpunkt der Laudatio zu
besetzen. Also haben wir es uns einfach gemacht und die Erste gefragt – die natürlich Ja sagen wird.
Überraschung! Das Argument war dabei, dass ich mich an den Artikel im aktuellen Buch zu 675
Jahren Molbitz anlehnen könnte. Und genau das habe ich getan – zufälligerweise entspricht dieser
Zeitraum meinen aktiven Jahren beim CCM. Es ist also irgendwie doch ein wirklich gutes Timing.
Also werde ich euch nun die Geschichte des Carnevals Club Molbitz erzählen – aus dem
Blickwinkel einer Kichererbse, eines MarschMädels, eines Leibgardemariechens, eines Mitglieds
der Showtanzgruppen KEb’s und Déjà Vu sowie eines Vorstandsmitglieds.
Von den 2000er Jahren bis heute hat sich im CCM so einiges getan, und ich hoffe, dass ihr als
ehemalige Mitglieder, Unterstützer und Freunde – genau wie ich – stolz auf die Entwicklung des
Vereins seid. Von der Neugründung einzelner Gruppen über ein maßgeschneidertes
Veranstaltungsobjekt, durch schwere Krisenzeiten bis hin zu unzähligen unvergesslichen
Veranstaltungshighlights – all das prägt die letzten Jahrzehnte.
Aber nun lasst uns einmal gemeinsam meine und auch die Reise des CCM in den vergangenen 25
Jahren Revue passieren.
Unter der Leitung des Ehrenpräsidenten Torsten Fliedner wurde der Verein bestmöglich in das neue
Jahrzehnt geführt. Zu dieser Zeit bestand die CCM-Familie aus dem Elferrat, der Leibgarde, der
Funkengarde sowie den GaudiMotten und den OrlaNixen.
Da zu diesem Zeitpunkt meine Eltern, mein Bruder, meine Tante und meine Cousine im Verein
aktiv waren und der Rest der Familie meist als Gäste zu Besuch, sollte auch für mich schnell ein
Platz gefunden werden. Und so wurde zum 40. Jubiläum im Jahr 2001 dem Verein ein ganz
besonderes Geschenk gemacht: die erste Kindertanzgruppe – die Molbitzer Kichererbsen. Ich war
die Vierte, die aus der Überraschungsbox geholt und dem tobenden Publikum vorgestellt wurde.
Die Kichererbsen sind seitdem ein fester Bestandteil des Vereins. Anfänglich nur mit vier Mädchen
im Alter von vier bis dreizehn Jahren vertreten, sind es mittlerweile über 21 Mädchen und ein Junge
im Alter von sechs bis dreizehn Jahren. Ein Beweis dafür, dass wir uns um genügend
karnevalistischen Nachwuchs keine Sorgen machen müssen – denn auch die nächsten
Bewerberinnen und Bewerber stehen bereits in den Startlöchern.
Während meiner Zeit in dieser Gruppe durfte ich außerdem als MarschMädel auftreten und etliche
Male auf der Bühne des Kindertanz-Grand-Prix in Saalburg in den Jahren 2003 bis 2008 stehen.
Was für eine tolle Zeit, die mir bis heute in bester Erinnerung geblieben ist – und nach deren
Grundsätzen ich auch heute noch strebe: mit viel Energie und einem herzlichen Lachen die Gäste
mitzureißen.
Doch bis es soweit war – bis sich der Wille, die Power und das Lächeln fest in meinem
karnevalistischen Tun verankert hatten – begaben sich damals ein paar gleichaltrige Mädels und ich
auf eine etwas holprige Berg- und Talfahrt, in die wir alle mitgerissen haben, die uns in den Weg
stellten. Geben wir dieser Zeit einen Namen: die Pubertät.
So musste schnell eine neue Gruppe her, denn mit unserer Niedlichkeit konnten wir das Publikum
ganz sicher nicht mehr überzeugen. Deshalb gründete sich in der 49. Session die Showtanzgruppe
KEb’s – natürlich stets bestens gelaunt und zur Begeisterung der Trainerinnen Iris Lukes und
Kathrin Seidel.
Ein Jahr später, in der 50. Session, übernahmen wir dann selbst das Ruder: die Auswahl der
Kostüme, der Lieder und der Choreografie. Der Startschuss für mich zu etlichen weiteren Stunden
im Schritte- und Aufstellungswirrwarr – der Beginn meiner Aufgabe als Choreografin.
Und jetzt bin ich ganz offiziell selbst für sie verantwortlich. Könnte man da von Karma sprechen,
liebe Mutti und liebe Kathrin? Denn nun darf ich den 17 Mädels die Zeit am Mittwoch von 18 bis
19 Uhr versüßen… oder manchmal eben auch das Gegenteil davon.
Mit 15 Jahren fuhr ich dann zweigleisig im CCM. Denn es wurde mit dem Slogan „We want you
for Leibgardemariechen“ nach entsprechender Verstärkung gesucht. Nach ein wenig Überwindung
ergriff ich meine Chance, bewarb mich bei meinem Bruder, dem damaligen General, und konnte als
alleinige Bewerberin überzeugen. So begann eine unheimlich tolle Zeit, die mich vor allem in
meinem Charakter und meinem Geschmack für gewisse alkoholische Getränke prägte. Ich wurde
fortan nicht nur durch meinen Bruder, sondern durch bis zu 18 weitere Kerle beschützt.
Neben Anker-Tattoos auf Hand und Hals, Berliner Luft aus Biergläsern, unzähligen offiziellen
Runden, starkem Zusammenhalt, etlichen Säulen mit Havanna-Cola, haltlosen Kickerrunden und
vor allem einem Haufen Spaß haben wir gefeiert, gelacht, gegrölt und so viele unvergessliche
Momente miteinander erlebt.
Doch auch diese Zeit sollte in der 58. Session ein Ende nehmen, und ich mich weiterentwickeln.
Schon in der 47. Session gründete sich die Showtanzgruppe Déjà Vu, der ich bis heute bereits sechs
Jahre angehöre. Auch wenn das eine große Veränderung war – von leicht zu begeisternden Kerlen,
die mir meine temperamentvolle Art nicht zu ernst nahmen, hin zu einem Hühnerhaufen mit
verschiedenen Charakteren und Meinungen. Zugegeben, die Zeit war nicht immer einfach, aber
dennoch sind die Besuche auf Weihnachtsmärkten, die unzähligen ehrlichen Gespräche und die
vielen gemeinsamen Momente voller Lachen unvergessen.
Und war das alles nicht genug, spielte ich bei den GaudiMotten auch immer wieder eine kleine
Gastrolle – sei es hier, im Tewa-Saal oder sogar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, wo
sie seit 2019 den Saale-Orla-Kreis in der Thüringenhalle repräsentieren.
Außerdem kam ich auch um ein Amt im Vorstand nicht herum. Was als Tätigkeit als Schriftführerin
begann, führte mich nach und nach in die Rolle der Kanzlerin und darüber hinaus auch zu den
Aufgaben der nicht besetzten Präsidentinnenrolle. Aber auch hierdurch konnte ich wachsen und
kenne den Verein wohl so, wie nur wenige andere in unseren Molbitzer Reihen. Liebe Grüße gehen
dabei an eine meiner besten Freundinnen Christine und auch an Resi, die mir bis heute im Vorstand
bestens zur Seite steht.
Aber da gibt es so viel mehr, was ich euch erzählen kann!
Über all die Jahre haben wir als Verein auch außerhalb der fünften Jahreszeit viel gefeiert– sei es
bei Holzhackerfesten, Abschluss- und Weihnachtsfeiern. Ich kann mich dabei stets an ausgelassene
Stimmung erinnern. Auch außerhalb der Molbitzer Tewa-Wände zeigte sich in den vergangenen
Jahrzehnten, wie sehr unsere Garden und Gruppen gewachsen sind und wie viel Herzblut in all
unserem Tun steckt.
So zum Beispiel 2002, beim großen Hochwasser in Döbeln, bewiesen die Männer der Leibgarde,
dass Karnevalisten weit mehr können als nur feiern und tanzen. Ebenso bei einer Spende an die
Kinderhilfestiftung Jena e.V. 2008.
Unsere Funkengarde machte ab 2007 auf zahlreichen regionalen Wettbewerbsbühnen von sich
reden. „Herzklopfen kostenlos“, dem Neustädter Showtanz-Grand-Prix oder auch beim Goldenen
Kasper in Wurzbach.
Wieder zurück im Tewa-Saal sorgte um die Jahre 2006 und 2007 René Schilling für neuen Glanz,
denn er schuf mit viel Engagement ein maßgeschneidertes neues Zuhause für den CCM. In der 48.
Session erhielt die Tewa sogar eine neue Außenfassade samt großem Graffiti, auf dem unser Verein
bis heute sichtbar verewigt ist.
Anlässlich unserer 50. Jubiläumssession im Jahr 2011 konnten wir im Neustädter Museum für
Stadtgeschichte zahlreiche historische Gegenstände, Uniformen, Fotos und Chroniken aus fünf
Jahrzehnten präsentieren und mit vielen interessierten Gästen teilen. Auch über die Molbitzer
Grenze hinaus waren wir mit unserem Programm präsent.
2011 und 2012 folgte die Einladung ins Volkshaus Gera-Zwötzen, wo wir vor Gerschem Publikum
unser komplettes Programm zeigten. Auch diese Zeit wird mir in Erinnerung bleiben, denn durch
die gemeinsame Busfahrt und die gegenseitige Unterstützung während unseres Aufenthaltes – auch
wenn die Gästezahl überschaubar war – hatten wir gemeinsam eine unheimlich angenehme und
schöne Zeit.
Unsere jüngste Neugründung folgte in der 58. Session: die Junioren-Leibgarde. Anfänglich mit
sieben Jungen und einem Mädchen gestartet, marschieren und tanzen zur 65. Session neun
Molbitzer Karnevalisten im Alter von sieben bis 18 Jahren über den Saal.
Seit 2018 gehört auch unser Stand auf dem Neustädter Weihnachtsmarkt fest dazu. Durch den
„Leibgarde-Bäcker“ Matthias Nolting – besser bekannt als Nolle – entstanden dort die WuhliWuhlis,
kleine kugelrunde Quarkbällchen, die seither sowohl große als auch kleine Gäste
begeistern.
2019 setzte uns die Corona-Krise zunächst mit der Absage des fünften Galaabends zu, doch wir
fanden schnell unsere Kraft wieder und wurden – natürlich nach bekannter Molbitzer Manier –
kreativ und zuversichtlich. Noch im selben Jahr erweckten wir gemeinsam mit der Stadt Neustadt
an der Orla BornBeats zum Leben, einen besonderen Freitagabend für die Jugend im Rahmen des
Brunnenfestes. Der CCM fungierte viermal als Veranstalter und zog zahlreiche DJ-Bekanntheiten in
den Tewa-Saal.
In den folgenden Jahren nutzten wir dann die Möglichkeiten, die noch erlaubt waren, und testeten
die Grauzonen aus. So veranstalteten wir ein Straßenkonzert und einen Karnevalsumzug mit
Galaabend in um und auf dem Molbitzer Dorfplatz. Organisierten ein Fest zum Weltkindertag,
feierten die Molbser Wiesn-Gaudi und verlegten unsere 61. Session kurzerhand in den Sommer. Vor
allem aber wuchs unser Social-Media-Auftritt auf Facebook, Instagram und YouTube in dieser Zeit
deutlich. Und so erwecken Gretl und ich bis heute viele Ideen auf den Bildschirmen zum Leben.
Nun, im Jahr 2025, darf ich stolz auf über 100 Mitglieder blicken, die gemeinsam dafür sorgen, dass
der Carnevals Club Molbitz lebendig und bunt ist – und es auch bleibt. Ich bin stolz auf diese
Entwicklung und umso dankbarer, dass dieser Verein vor nun 65 Jahren ins Leben gerufen wurde
und bin mir sicher, dass wir mit Zuversicht und Freude auch auf die nächsten Jahre blicken können.
Und nun? – Ja, man soll doch aufhören, wenn es am schönsten ist, auch wenn es noch so viel zu
erzählen gibt! Schließlich habt ihr mir jetzt schon lange zugehört und meiner sowie der
Vereinsgeschichte eure Aufmerksamkeit geschenkt.
Doch vorerst möchte ich mich bei allen bedanken, die sowohl an meiner, als auch an der Geschichte
dieses wunderbaren Vereins mitgewirkt haben! Denn es ist mehr als nur Karneval - es ist
Gemeinschaft, Zusammenhalt, Disziplin, Stärke und die Überzeugung, gemeinsam über sich
hinauszuwachsen.
Ich wünsche euch und uns noch einen ausgelassenen Abend mit guter Stimmung, interessanten
Gesprächen, witzigen Anekdoten und Geschichten aus vergangenen Jahren und vor allem viel Spaß
und Freude!
Auf euch, auf uns ein einfach donnerndes
Wuhle - Wuhle, Gaag - gaag!

Hebt auf zum Prosit nun mit uns Euer Glas,
wir wünschen Euch und uns heut Abend jede Menge Spaß
und darauf ein 3 fach donnerndes

Wuhle-Wuhle-Gaag-Gaag!

 

Hendrik Suhr, Mitglied des Elferrates, seiner Zeit VizekanzlerHendrik Suhr
Mitglied des Elferrates, seiner Zeit Vizekanzler